Ein Jahrhundert
Vereinssport im ATSV Stockelsdorf

Der Vorstand im Jahre 1897
Der Vorstand im Jahre 1897
oben von links : Blaje. Paul Buch, Johannes Drews, Heinrich Faasch
unten von links: Karl Weiß, Theodor Evers, Friedrich Evers

Seit nunmehr 100 Jahren wird in der Gemeinde Stockelsdorf in der Gemeinschaft eines Vereins Sport betrieben. Leider ist uns über die Anfänge der Turn- und Sportbewegung in unserer Gemeinde aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts nichts überliefert. Auch die nachfolgende Chronik des Vereinsgeschehens erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn die Wirren der Zeitgeschichte - insbesondere der beiden Weltkriege - und Gedankenlosigkeit, aber auch Nachlässigkeit führten zum Verlust wichtiger Sportaufzeichnungen und Bilddokumente.

Trotzdem gelang es, aus mündlichen Überlieferungen und privaten Bild- und Textsammlungen diese Chronik über den jetzt l00-jährigen, oft beschwerlichen Weg des Allgemeinen Turn- und Sportverein Stockelsdorf aufzuzeichnen.

Wenn nachstehend einige Mitglieder namentlich erwähnt werden, so ausschließlich, um deren Mitwirken an Gründung, Ausbau und Führung während der hinter uns liegenden 100 Jahre des Vereins zu verdeutlichen. Ihre Namen stehen gleichzeitig für die Arbeit, Aufopferung und Treue aller ATSV-Mitglieder, denen für vergangene und gegenwärtige Leistungen Dank zu sagen ist.

Als "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn Anfang des 19. Jahrhunderts mit seinen Ideen unter dem Leitsatz: "Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei" die Jugend Deutschlands zum Turnsport motivierte, löste er damit eine Welle der Begeisterung aus, die weit über den ursächlichen Sport hinausging und landesweit zur Gründung freier Turn- und Sportvereine führte.

Am 5. November 1894 fanden sich auch in Stockelsdorf beherzte Männer - Heinrich Rönfeld, Otto Nickel, Karl Pick, Fritz Damman und Theodor Evers -, um einen Turn- und Sportverein in Stockelsdorf aus der Wiege zu heben. Die Anregung hierzu gaben Paul und Willi Westphal vom ATV Lübeck.

Die Turner-Spielleute im Jahre 1910
Die Turner-Spielleute im Jahre 1910 des im Mai 1908 von Paul Westphal gegründeten Männer-Spielmannszuges

Als sehr schwierig erwies sich die Beschaffung der nötigen Turngeräte. Hier bewiesen die damaligen Turner, mit welchem Idealismus sie ihren Sport betrieben. Groschen für Groschen trugen sie von ihrem in dieser Zeit mehr als kargen Verdienst zusammen und schafften nach und nach fehlende Geräte an. Jede Turnstunde begann mit einem fröhlichen Lied, woran sich Freiübungen aller Art anschlössen. Zur Freude des Turnwartes Paul Westphal wetteiferten die Turner bei den einzelnen Übungen um immer bessere Leistungen, so daß seine Bemühungen bald von Erfolg gekrönt waren. Eine kaum erwartete Begeisterung führte inzwischen zum Aufbau der Schüler-Turngruppe. Aber diese jungen Leute wollten nicht nur Turnen, sondern auch Schleuderball werfen. Faustball und Schlagball spielen und Leichtathletik betreiben. Da hierfür kein geeigneter Sportplatz zur Verfügung stand, konnten diese Sportarten nur in sehr beschränktem Umfang betrieben werden, denn man mußte sich für die Spiele zunächst mit einem kleinen, auf dem Stockelsdorfer Markt abgesteckten Plätzchen begnügen.

Im Jahre 1908 stellten die Sportfreunde Paul Westphal, Wilhelm Busike, Karl Soost, Willi Voigt, Ernst Hoffmann, Otto Hoffmann, Wilhelm Rolf und Theodor Evers den ersten Turnerspielmannszug auf. Trotz des Elans der Spielleute war der Aufbau dieses Zuges besonders schwer, weil für die Anschaffung der teuren Instrumente nur bescheidene Mittel zur Verfügung standen. Aber unter großen Opfern der Spielleute und des Vereins war der Zug bald ausreichend bestückt und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. Schon wenig später konnte dieser neuen Vereinssparte eine Schülergruppe angegliedert werden. Auf einheitliche Kleidung wurde in dieser Aufbauphase noch kein Wert gelegt. Jeder zog sein "Schaptüch" an. Unter der Leitung von Willi Voigt entwickelte sich der Turnerspielmannszug zu voller Blüte.

Unter seinem l. Vorsitzenden Karl Johannisson entwickelte sich der Verein stetig weiter. Das Ansehen des Vereinssports wurde besonders durch öffentliche Veranstaltungen mit turnerischen und sportlichen Darbietungen sowie Sommerfesten und Sportlerbällen gefördert. Bei stets guter Beteiligung erfolgte unter Anführung des Spielmannszuges eine Reihe von Ausmärschen in die nähere Umgebung, z.B. nach Reinfeld, Segeberg, Neustadt und Bad Schwartau. Das Vereinsgeschehen verlief bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges störungsfrei und erfolgreich.

Der Erste Weltkrieg stoppte den aufblühenden Verein jäh. Mit der Einberufung vieler aktiver Sportler und ihrer Übungsleiter wurde es immer schwerer, den Spielbetrieb ungestört aufrechtzuerhalten. Er mußte schließlich vorübergehend eingestellt werden. Der Krieg schlug schwere Wunden, und auch die Reihen der Stockelsdorfer Sportler lichteten sich stark. Viele der Besten kehrten nicht zurück, darunter 13 aktive Mitarbeiter. Das erschwerte den Wiederaufbau des Vereins und machte den Neubeginn besonders mühsam. Jedoch nahmen jene Turnerinnen und Turner, die den Krieg unbeschadet überstanden hatten, unter dem l. Vorsitzenden Theodor Evers den Vereinsbetrieb ungebrochenen Mutes wieder auf.

Geturnt wurde zunächst in der Brauerei Kock, danach bei Dietrich in der Segeberger Straße 9 und eine Zeitlang in Heinrich Dose´s Gasthof "Drei Kronen". Schon damals machte man sich im Verein Gedanken darüber, eventuell einen Turnhallenbauverein zu gründen, um sich auf diesem Weg eine geeignete Übungsstätte zu schaffen. Es erwies sich jedoch als aussichtslos, für ein solches Anliegen bei den Behörden Gehör zu finden. Durch den eben erst beendeten Krieg waren andere Aufgaben vorrangig, und auch die Bevölkerung war durch die Kriegsfolgen noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Obwohl also die Überlegungen für den Bau einer Turnhalle zunächst zurückgestellt werden mußten, ging es mit dem Verein wieder aufwärts. Das Turnen, die ursprüngliche Domäne der Stockelsdorfer, wurde eifrig weiter gepflegt, und der Spielbetrieb nahm immer ausgeprägtere Formen an.

Im Jahr 1923 wurde auf Anregung von Karl Evers sowie Friedrich und Max Graf eine Fußballabteilung gegründet. Die Mitglieder spielten in dieser Zeit ohnehin überall dort Fußball, wo sich die Gelegenheit bot. Daher war es nicht verwunderlich, daß sich innerhalb kurzer Zeit eine ganze Reihe Fußballbegeisterter im Verein anmeldeten. Für die Durchführung der Spiele stand jedoch kein ausreichender Platz zur Verfügung. Als sich die Gelegenheit bot, das inzwischen von der Gemeinde übernommene Herrengartengelände auszubauen, fanden sich viele freiwillige Helfer, um hier eine zeitgerechte Sportstätte zu schaffen (siehe im einzelnen Bericht der Fußballabteilung).

Bald nach der Gründung der Fußballabteilung entwickelte sich 1923/24 aus der Schlagballsparte eine Handballabteilung. Auch sie erfreute sich nach kurzer Zeit eines regen Zuspruchs.

Amandus Voigt
Amandus Voigt 1. Vorsitzender von 1931 bis 1933 und von 1947 bis 1955

Die Leitung des Vereins wurde von Theodor Evers 1923 an Hannes Drews übergeben, der bis 1930 Vorsitzender blieb. Danach führte für ein Jahr Hermann Schmidt den Verein, der den Vorsitz 1931 an Amandus Voigt abgab. Unter seinem Vorsitz nahm die Entwicklung des Vereins weiter einen positiven Verlauf. Sein unermüdliches Schaffen, seine Fürsorge um die Mitglieder und seine mutige Aufrichtigkeit wurde für viele ein Vorbild.

Als die Machtergreifung der NSDAP 1933 zur Unterdrückung des freien Sports führte, wurden Amandus Voigt und andere seiner Turnkameraden in Haft genommen, der Verein am 8. Mai 1933 aufgelöst und alle vorhandenen Turngeräte, Instrumente sowie alles bis dahin erreichte beschlagnahmt. In diesem schweren Chaos, das dieser Krieg hinterlassen hatte, fanden sich erneut Frauen und Männer des Vereins zusammen und gingen an die Neuorganisation des Sportlebens in Stockelsdorf. Trotz eigener großer Sorgen und Nöte begannen sie unter den Augen der strengen Besatzungsmächte, nach Sportgeräten und Instrumenten zu suchen. Dank dieser Bemühungen konnte einiges wiedergefunden werden, wobei Hans Burmeister und Bruno Lenkerstorf eine gute Spürnase und eine besonders glückliche Hand hatten.

Am 15. Juli 1945, knapp acht Wochen nach Beendigung des Krieges, riefen die Sportfreunde Johannes Drews, Hans Burmeister, Bruno Lenkerstorf, Karl Evers und Gertrud Groth nach schwierigen Verhandlungen mit der britischen Besatzungsmacht den Allgemeinen Turn-und Sportverein Stockelsdorf (ATSV) ins Leben. In ihm fanden sich die Sportler des 1924 gegründeten Stockelsdorfer Sportverein (STSV), der von den Briten aufgelöst worden war, ein neues Zuhause. Erst nach langwierigen, beschwerlichen Verhandlungen hatte die Besatzungsmacht der Aufnahmemöglichkeit der '24er Sportler zugestimmt. Der Vereinssport begann wieder mit dem traditionellen Turnen, das im Gasthof Lampe im kleinen Raum hinter der Saalbühne stattfand. Hier konnte allerdings nur bis 20 Uhr geturnt werden, denn dann begann nebenan das Kinoprogramm. Auch ein Schulraum der Stockelsdorfer Schule mußte eine Zeitlang für die Turnübungen genutzt werden.

Unter hohem persönlichen Einsatz schafften es die Stockelsdorfer Sportler relativ kurzfristig auch wieder Fußball- und Handballmannschaften aufzustellen und mit ihnen Spiele durchzuführen. Karl Höppner und Hans Burmeister hatten inzwischen Instrumente des Spielmannszuges ausfindig gemacht, so daß auch mit dem Wiederaufbau dieser Abteilung begonnen werden konnte. Unter Karl Höppners Anleitung entstand mit Wilhelm Schunck, Emil Meyer und vielen früheren Spielleuten unter der Stabführung von Heinz Klempau ein großer Spielmannszug, dem sehr bald ein Schülerzug angegliedert werden konnte.

Den 1. Vorsitz des ATSV führte von 1945 bis 1946 Johannes Drews, und die Hauptkasse verwaltete in dieser Zeit Hans Fick. Bis 1947 übernahm Bruno Lenkerstorf die Leitung des Vereins, die er nach der Rückkehr von Amandus Voigts aus der Gefangenschaft an diesen abtrat. 2. Vorsitzender war zu dieser Zeit Hans Burmeister, und die Hauptkasse führte Heinrich Drews.

Der Wiederaufbau
und die goldenen 50er

Das große Interesse für den Sport in Stockelsdorf bewiesen die ständig wachsenden Mitgliederzahlen, so daß sich der Verein sehr schnell zu einem der größten im Lande entwickelte. Vordringliche Aufgabe war es daher, für großräumige Sportstätten zu sorgen. So kam es zum zweiten Ausbau des Spielfeldes im Herrengarten. Wieder waren es die Mitglieder, die mit 2035 freiwilligen Arbeitsstunden neue Spielfelder anlegten. Hinzu kamen Gelder des Vereins und Beteiligungen der Gemeinde und des Sportförderungsausschusses Schleswig-Holstein. Noch vor Sylvester 1947 waren auch diese Arbeiten erfolgreich beendet. Danach ging es an den Bau des ersten Tennisplatzes im Herrengarten. Er erfolgte unter den gleichen Bedingungen wie beim Bau des Sportplatzes und war 1950 fertiggestellt. Gleichzeitig wurde die Tennisabteilung gegründet, deren Leitung Kurt Brüdigam übernahm, gefolgt von Dr. B. Hermann und Schwester Elli Wigger, Lehrer Wolfgang Meinke und Paul-Eggert Stapelfeldt. 1953 nahm die Abteilung dann erstmals am Punktspielbetrieb teil. Sport- und Tennisplatz waren laut Vertrag ständig vom Verein zu pflegen und instand zu halten, ebenso die unmittelbar angrenzenden Parzellen. Anfangs fanden sich hierfür genügend Freiwillige, später aber waren es fast ausschließlich Funktionäre des Vereins, die dieser Aufgabe gerecht zu werden versuchten. Gemäß alter Aufzeichnungen wurde 1953 die Gymnastikriege unter der Leitung von Elisabeth Hermann gegründet und am 8. Mai im Herrengarten die Leichtathletikriege ins Leben gerufen. Sie umfaßte 30 Schüler, zehn Jugendliche und fünf Herren. Am 20. August 1953 war der Herrengarten Austragungsort von Bundesjugendspielen. Seit dem 1. Oktober wurde in Stockelsdorf auch das Deutsche Sportabzeichen abgenommen. Nach einjähriger Pause, für die fehlende Trainingsmöglichkeiten verantwortlich waren, konnte ab dem 1. Oktober auch wieder Tischtennis gespielt werden. Für Trainingsstunden und Mannschaftswettkämpfe stand der Gasthof "Zum Landgraben" zur Verfügung. Leiter der Tischtennis-Abteilung war zunächst Hans Voss und später Fritz Tretall. Zu dieser Zeit hatte sich im ATSV auch bereits eine Schachabteilung etabliert, die von Frau Schernau geleitet wurde.

Als besonders freudiges Ereignis wird im ATSV-Jahresbericht 1953 vermerkt, daß der Verein seine Schulden restlos abbauen konnte. Weniger erfreulich war, daß der Spielmannszug seine Schülerabteilung aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten, mangelnden technischen Hilfsmitteln und fehlenden Hilfskräften abmelden mußte.

Durch einen Unglücksfall verlor der Verein 1953 seinen langjährigen verdienten Hauptkassierer Heinrich Drews, der mit dem wenige Jahre später verstorbenen 2. Vorsitzenden Hans Burmeister einen entscheidenden Anteil am Wiederaufbau des Sportbetriebes nach 1945 in Stockelsdorf hatte.

Besonders zu würdigen für ihre Aufbauleistungen und Verdienste sind an dieser Stelle: Für das Turnen: Ernst Giehs, Hermann Schmidt, Friedel Hübner, Irma Laude, Elisabeth Hermann, Ilse Grewsmühl, Hildegard Konrad, Erna Leps und Margit Voß. Für den Fußballsport: Karl Evers, Karl Höppner, Friedrich Willers, Kurt Haase, Hans Schlichting und Karl Ludwig Tretau. Für den Handballsport: Wilhelm Schunck, Friedrich Konrad, Paul Meßfeld, Werner Drost, Karl-Heinz Lusche, Otto Runge sowie die Brüder Hübner. Für den Spielmannszug: Wilhelm Schunck, Emil Meyer, Heinz Klempau, Harry Johannsson, Heinrich Tschächner, Klaus-Peter Schmidt und Hans-Peter Schwarz.

Im Juli 1953 gab der Verein das erste eigene Mitteilungsblatt heraus und bereitete sich in den folgenden Monaten auf das 60jährige Jubiläum im Jahre 1954 vor. In diesem Jubiläumsjahr richtete der Spielmannszug des ATSV sein erstes Gautreffen für die Turnspielleute des Travegaus im DTB in Stockelsdorf aus. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ das aus diesem Anlaß im Herrengarten vor 2000 Zuschauern gegebene Großkonzert von 450 Spielleuten. Spielleute leiteten auch die Jubiläumsfeier in den Fackenburger Lichtspielen ein, die unter der Regie von Amandus Voigt stattfand.

Amandus Voigt hatte entscheidenden Anteil an der Bildung eines Kuratoriums für den Bau der Stockelsdorfer Turnhalle im Herrengarten. Sie konnte 1957 ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Finanzierung der Halle erfolgte überwiegend aus Spenden der Bevölkerung, aus Sportmitteln und mit Hilfe erheblicher Zuschüsse der Gemeinde, während der ATSV wesentlich zur Ausstattung mit Sportgeräten beitrug.

Es sei noch erwähnt, daß bereits in den 50er Jahren im Herrengarten alljährlich eine Turn- und Sportwoche stattfand. Am 14. Januar 1955 traten überraschend Amandus Voigt als 1. Vorsitzender und Hans Burmeister als 2. Vorsitzender zurück. Beide Sportfreunde hatten für den ATSV viel geleistet und zeichneten sich durch unermüdlichen Tatendrang aus. Dies stellten sie besonders dann unter Beweis, wenn es um die Erweiterung von Sportanlagen oder die Verbesserung der Finanzlage des Vereins ging. Wegen dieser Verdienste wurde Amandus Voigt zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Bis zu diesem Zeitpunkt war jener Titel erst zweimal verliehen worden.

Am 11. Februar 1955 betraute der ATSV Dr. Bernd Hermann mit dem Vorsitz, Heinz Klempau wurde zu seinem Stellvertreter und Karl Höppner zum Hauptkassierer gewählt. Gleichzeitig wurde eine Kommission zur Neufassung der Vereinssatzung gebildet, die in ihrer wesentlichen Form noch heute Gültigkeit hat. Im selben Jahr leiteten die Verantwortlichen die Ablösung der Platzunterhaltsverpflichtungen des Vereins und den Abschluß eines neuen Pachtvertrages mit der Gemeinde ein. Da das durch die Verbände eingeführte Kleinspielfeld für Fußball und Handball neue Schwierigkeiten schuf, wurde seitens des Vereins besonders nachdrücklich auf die Notwendigkeit eines zweiten Ausweichsportplatzes hingewiesen.

Ferner wird aus diesem Jahr berichtet, daß mit den Mannschaften der damaligen DDR viele Begegnungen stattfanden. Die Gemeinde gab den Vereinen Wandergelder und Sportförderungszuschüsse. Die Verfolgung der Wiedergutmachungsansprüche gegen das Dritte Reich wurde wegen der von den Nazis beschlagnahmten Vereinsgeräte eingeleitet. Die Zusammenarbeit des Vereins, besonders ihrer Turnabteilung mit dem Deutschen Turnerbund, wurde erweitert.

Am 16. August 1957 gab Dr. Bernd Hermann aus beruflichen Gründen den Vereinsvorsitz an Heinz Klempau ab. Neuer 2. Vorsitzender wurde Harry Johannsson. Unter dem neuen Vorstand wurden die Anträge auf Wiedergutmachung erfolgreich abgeschlossen. Dies ermöglichte es dem Verein, weitere dringend benötigte Sportgeräte anzuschaffen. Durch den KSV Eutin wurde die Bildung eines Sportbeirates in Stockelsdorf angeregt und vom ATSV beantragt.

Der Spielmannszug feierte am 17. Mai 1958 sein 50jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß wurde das Gautreffen der Turnerspielleute im Travegau zum zweiten Mal nach Stockelsdorf vergeben. An ihm nahmen 500 Spielleute teil, die im Herrengarten wiederum ein Großkonzert gaben.

Ferner wird aus diesem Jahr berichtet, daß durch den Verein eine Renovierung und Gesamteinfriedung des Sportplatzes Herrengarten angeregt und eingeleitet wurde. Die Finanzierungsmittel wurden von der Gemeinde, dem Verein (10.000 Mark), dem Kreis und dem Sportförderungsausschuß aufgebracht. Zu den örtlichen Schulen und Vereinen wurden gute Beziehungen gepflegt. Eine Hausfrauen-Gymnastik-Abteilung wurde ins Leben gerufen, an deren Geburt besonders Elisabeth Hermann großen Anteil hatte. Auch wurde das Prellballspielen für Frauen eingeführt. Zu einer ständigen Einrichtung wurden vorweihnachtliche Feiern für die Jugendlichen des Vereins. Vereins- und Familienbeiträge wurden neu eingeführt und in die Satzung aufgenommen.

Blühendes Vereinsleben
und ein Jubiläum

Am 27. Juni 1964 wurde der neu ausgebaute, völlig eingezäunte und mit Stehtribünen versehene Sportplatz Herrengarten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durch die Gemeindevertretung den Schulen und dem ATSV übergeben. Am selben Tag erfolgte auch die Übergabe des mit einer Laufzeit von 25 Jahren ausgestatteten Benutzungsvertrages. In ihm waren keine Bestimmungen mehr über laufend vorzunehmende Unterhaltungsarbeiten seitens des Vereins enthalten.

Der 12. September 1965 wurde zu einem bedeutsamen Tag in der Geschichte des ATSV. Unter großer Beteiligung auswärtiger und örtlicher Vereine - und Fahnenabordnungen - wurde nach einem großen Festumzug durch Stockelsdorf auf dem Sportplatz Herrengarten die Vereinsfahne feierlich eingeweiht. Diese neue ATSV-Fahne war gemeinsam entworfen worden und ist für alle ATSV-Sportler ein besonderes Schmuckstück.

Im Januar 1968 begannen die Planungen zum Bau eines zweiten Tennisplatzes im Herrengarten. Hierzu stellte die Gemeinde kostenlos mit 25 Jahren Laufzeit Gelände zur Verfügung und gab zu den Kosten der Baumaßnahmen einen erheblichen Zuschuß. Der Ausbau der Anlage war erforderlich geworden, weil die Mitgliederzahlen ständig zugenommen hatten und zudem die Absicht bestanden hatte, eine Jugend-Tennisgruppe zu gründen. Wie schon bei den vorangegangenen Bauten erfolgte die Finanzierung durch Verein, Kreis und aus Mitteln des Sportförderungsausschusses.

Auf Vorschlag des Finanzausschusses der Gemeinde brauchte der Verein ab l. Januar 1968 für die Turnhalle und den Sportplatz im Herrengarten keine Benutzungsgebühr mehr zu entrichten. Die dadurch frei werdenden Finanzmittel, so hieß es 1968, sollten für die Einsetzung qualifizierter Übungsleiter und Trainer verwendet werden. Der damalige Chronist vermerkt dazu: "Schon heute werden im Verein mehrere solcher Übungsleiter und Trainer beschäftigt. Die vielen einzelnen sportlichen Disziplinen, welche heute vom Verein angeboten werden, beginnen ihre Übungsstunden schon am frühen Nachmittag und können kaum noch von ihrem Beruf nachgehenden Mitgliedern geleitet werden."

Seit April 1968 gibt es auch in Stockelsdorf einen durch die Gemeinde berufenen Sportbeirat. In ihm sind Vertreter der einzelnen Sportvereine und der politischen Parteien vertreten. Er hat die Aufgabe, sportliche Anliegen entgegenzunehmen, diese beratend zu bearbeiten und in die einzelnen Ausschüsse zu tragen und gleichermaßen auch die Anliegen sportlicher Art seitens der Gemeinde an die einzelnen Vereine heranzutragen. Seine Tätigkeit soll eine empfehlende sein.

Am 24. Januar 1969 schied der 2. Vorsitzende Dieter Schernau wegen eines Wohnungswechsels aus dem Vorstand aus. Horst Stichtenoth wurde sein Nachfolger.

Unter Führung des neuen Vorstandes ging das Jahr 1969 in besonderem Maße in die Vereinsgeschichte ein: Denn in diesem Jahr wurde das 75jährige Bestehen des Vereins gefeiert.

Im Jubiläumsjahr fanden 14 sportliche beziehungsweise gesellige Veranstaltungen statt. Hiervon sind besonders der Jubiläumsball am 17. Mai, das Gautreffen der Turnerspielleute am 18. Mai und das Jubiläumssportfest am 15. Juni sowie die Gründungsfeier am 1. November 1969 hervorzuheben. Diese Veranstaltungen sind vielen Vereinsmitgliedern und Freunden des ATSV noch heute in guter Erinnerung. Ebenso bleibt die Errichtung des zweiten Tennisplatzes ein Meilenstein in der stetigen Entwicklung des ATSV, der im Jubiläumsjahr 649 Mitglieder zählte.

Höhenflüge
und Tiefschläge

Am 29. Januar 1971 wurde Jörg Troike zum Kassenwart gewählt. Er übernahm das Amt von Karl Höppner, der 16 Jahre für die Finanzen im ATSV verantwortlich gewesen war.

Am 15. September 1971 wurde die in Eigenleistung erstellte Flutlichtanlage, hier erbrachten Mitglieder 500 Arbeitsstunden, auf dem Sportplatz Herrengarten in einem Eröffnungsspiel gegen den VfB Lübeck vor über 800 Zuschauern eingeweiht.

Der Zustrom der sportbegeisterten Stockelsdorfer zum ATSV hielt weiter an. So wurden 1971 die Abteilungen Judo und Badminton im ATSV eingerichtet. Doch neben all' diesen Erfolgen mußten auch einige Rückschläge verkraftet werden. Der Spielmannszug wurde 1971 aufgelöst.

Im März 1972 konnte die Schülerin Angela Klünder, die der Gruppe Volkstanz in der Turnabteilung beitrat, als 1000. Mitglied begrüßt werden.

Am 21. Dezember 1972 wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1973 ein Nutzungsvertrag mit der Gemeinde für die Dauer von 40 Jahren über die Benutzung der Tennisanlage geschlossen. Aufgrund dieses langjährigen Vertrages wurde noch 1973 mit dem Bau eines Clubhauses neben den Tennisplätzen begonnen.

Am 3. Mai 1974 konnten dieses Clubhaus und gleichzeitig der dritte Tennisplatz eingeweiht werden. Beide Baumaßnahmen wurden in Eigenleistung des ATSV bei Förderung durch die Gemeinde, den Kreis und das Land erstellt. Viele Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder hatten die Durchführung dieses Bauvorhabens ermöglicht.

Auf der Generalversammlung am 24. Januar 1975 wurde Dieter Schlichting als Nachfolger für Jörg Troike zum Kassenwart gewählt.

Der ständige Zugang neuer Vereinsmitglieder machte es erforderlich, daß noch 1975 ein Anbau an der Sporthalle Herrengarten begonnen wurde. In diesem Anbau wurden zusätzlich Umkleideräume und ein Sitzungszimmer eingerichtet. Das Sitzungszimmer mußte bereits 1980 wieder aufgelöst werden, da dieser Raum nun ebenfalls als Umkleidemöglichkeit benötigt wurde.

Am 23. Januar 1976 übernahm Christiane Schlichting das Amt als Kassenwart von ihrem Ehemann. Am 11. Juni 1976 wurde der ehemalige Jugendraum der Sporthalle dem ATSV als Vereinsclubhaus überlassen. Nach Umbau und Ausstattung dieses Raumes verfügte der ATSV nun endlich über eine Heimstätte im Herrengarten, in der er seine Vereinsarbeit abwickeln konnte, und mit dem er auch einen Raum für die Pflege der Geselligkeit gefunden hatte. 1976 wurde auch dem Wunsch nach Kampfsportarten Rechnung getragen. Neben der Judo-Abteilung wurde nun eine Jiu-Jitsu-Sparte eingerichtet.

Am 5. Januar 1977 wurde die Tischtennis-Abteilung wieder im ATSV Stockelsdorf gegründet und nahm wenig später den Spielbetrieb auf. Damit kehrte eine Sportart in den ATSV zurück, die sich vor vielen Jahren großer Beliebtheit erfreut hatte.

Am 17. Januar 1977 beschloß die Gemeindevertretung den Bau einer Großsporthalle. Damit trugen die steten, maßvollen Bemühungen der Vereinsführung des ATSV unter Heinz Klempau erneut Früchte.

Ebenso wurde den Jahrzehnte dauernden Bemühungen des Vereins um Erstellung eines zweiten Fußballplatzes Rechnung getragen und mit dessen Bau begonnen. Auch hier beteiligte sich der ATSV mit 20.000 Mark an den Kosten, zuzüglich der Arbeitsstunden, die von Vereinsmitgliedern erbracht wurden.

Am 20. Januar 1978 wurde der l. Vorsitzende des ATSV Stockelsdorf, Heinz Klempau, auf der Generalversammlung durch den Vereinsausschuß und den l. Vorsitzenden des Kreissportverbandes, Fritz Latendorf, für seine 20jährige Amtszeit als l. Vorsitzender des ATSV geehrt. Hierbei wurde ihm die besondere Anerkennung für die erbrachten Leistungen und für seinen steten Einsatz zum Wohle des ATSV Stockelsdorf und der Sportbewegung ausgesprochen.

1978 wurde eines der erfolgreichsten Jahre in der Geschichte des ATSV. Die Leichtathletik-Abteilung wurde gegründet, in der Fußball-Abteilung etablierte sich der Damen-Fußball. Ebenfalls schlossen sich die Volleyballer zu einer Abteilung zusammen. 1978 wurden bedeutende Sportstätten in Stockelsdorf geschaffen und dem ATSV zur Nutzung zur Verfügung gestellt.

Am 14. Juli wurde der vierte Tennisplatz eingeweiht; am 1. August der zweite Fußballplatz offiziell freigegeben; am 15. September die Großsporthalle seiner Bestimmung übergeben. Darüber hinaus wurden zwei Kleinfelder im Herrengarten für den Handballsport fertiggestellt. Für die Einrichtung der Sportstätten kann der ATSV für sich geltend machen, daß er stets auf seinen Bedarf an Sportstätten und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung Stockelsdorfs im Verein und in der Schule hingewiesen hat. Nicht zu verkennen ist das finanzielle Engagement, mit dem sich der ATSV an der Schaffung der meisten Sportstätten beteiligte. Diese besonderen Leistungen wurden am 22. Dezember 1978 von der Gemeinde Stockelsdorf mit der Überreichung der "Verdienstmedaille der Gemeinde Stockelsdorf' an die Vereinsmitglieder Elisabeth Hermann, Karl-Heinz Lusche und Heinz Klempau gewürdigt.

Doch nach dem Höhenflug folgte eines der schwärzesten Jahre in der Geschichte des ATSV Stockelsdorf. Heinz Klempau legte am 18. Juli 1979 nach einer Amtszeit von über 22 Jahren sein Amt als l. Vorsitzender aus Protest über Entscheidungen der Gemeinde nieder und trat später aus dem ATSV aus.

Durch Herrn Troike, als Beauftragter der Stockelsdorfer CDU-Fraktion, die zu dieser Zeit im Gemeindeparlament die absolute Mehrheit hatte, wurde ihm mitgeteilt, daß die Gemeinde am Rensefelder Weg eine Großsportanlage plane, und daß der 1978 eingeweihte zweite Sportplatz im Herrengarten dem ATSV wieder entzogen werde, wenn die Anlage im Rensefelder Weg erstellt sei. Die Fläche des zweiten Sportplatzes sollte dann dem kommerziell geführten Tennis-Center überlassen werden. Ebenso stand der Verbleib des ATSV insgesamt im Herrengarten in Frage.

Wenn man die Einstellung eines Heinz Klempau zum ATSV Stockelsdorf und zum Sport allgemein kennt, kann man die Verbitterung und Enttäuschung verstehen, die letztlich zu seinem Rücktritt und zum Austritt aus dem ATSV führten. Seine Enttäuschung ist um so mehr zu verstehen, wenn man bedenkt, daß er an der Spitze vieler Vereinsmitglieder in unzähligen Arbeitsstunden auf dem Sportgelände Herrengarten seine Freizeit geopfert hat und die Ausgestaltung dieser Sportstätten als sein Lebenswerk ansehen darf.

Am 21. September 1979 wurde auf einer außerordentlichen Generalversammlung Harry Stephan für den Rest der Amtszeit bis zum Januar 1980 zum l. Vorsitzenden gewählt. Noch vor der Generalversammlung im Januar 1980 legte Horst Stichtenoth - seit 1969 2. Vorsitzender - sein Amt nieder.

Das 2.000-ste Mitglied
und der Spielmannszug

Am 25. Januar 1980 wurde Harry Stephan als l. Vorsitzender wiedergewählt. Mit dem Amt des 2. Vorsitzenden wurde Armin Albrecht betraut.

Die nun folgenden Monate wurden durch den Gedanken geprägt, die Sportstättenanlage Herrengarten für die Mitglieder zu erhalten. Hierdurch verhärteten sich die Fronten zwischen Gemeinde und dem ATSV zusehends. Am 17. März 1981 wurde der ATSV von der Gemeinde darüber informiert, daß das zweite Spielfeld im Herrengarten ab 1. Juli nicht mehr zur Verfügung stehe und an das Tennis-Center veräußert werden solle. Die vom Verein aufgebrachten Aufwendungen für die Erstellung des Platzes wurden dem ATSV erstattet.

Am 1. April 1981 konnte der ATSV - obwohl am 23. Februar mit dem SC Stockelsdorf ein zweiter Sportverein am Ort gegründet worden war - den Schüler Marcus Hübner als 2000. Mitglied begrüßen. Innerhalb von nur neun Jahren hatte sich die Mitgliederzahl von 1000 also auf 2000 verdoppelt.

Die Bemühungen des ATSV, auch zukünftig im Herrengarten verbleiben zu können, zeigte inzwischen erste Erfolge: Am 19. Mai 1981 wurde dem ATSV dann mitgeteilt, daß der Herrengarten - mit Ausnahme des zweiten Spielfeldes - wieder in den Sportstättenplan einbezogen werden solle.

Im Sommer 1981 wurde die Großsportanlage Rensefelder Weg in mehreren Stufen seiner Bestimmung übergeben, so daß sich der Spielbetrieb der Fußballabteilung langsam wieder normalisierte.

Am 18. Juni 1981 wurde dem ATSV der Pachtvertrag über die Nutzung der Sporthalle Herrengarten zum 1. Juli 1982 gekündigt.

Am 22. Januar 1982 wurde Armin Albrecht von der Generalversammlung zum l. Vorsitzenden gewählt. Seine Nachfolge als 2. Vorsitzender trat Hans-Erhard Meinke an. Der nun gewählte Vorstand hatte es sich zur Aufgabe gestellt, die Gräben, die zwischen der Gemeinde und dem ATSV ausgehoben worden waren, langsam wieder zuzuschütten, und so kam es nach und nach wieder zu einer Normalisierung zwischen diesen beiden Parteien.

Am 28. Januar 1983 schied Christiane Schlichting aus beruflichen Gründen als Kassenwartin aus dem Vorstand des ATSV aus und übergab ihr Amt an Marlies Riechen.

Am 28. März 1983 erhielt der ATSV wieder einen Nutzungsvertrag über fünf Jahre für die Sporthalle im Herrengarten. Nachdem dieser Vertrag vorlag, konnte in der ehemaligen Hausmeisterwohnung an der Sporthalle in Eigenleistung mit Unterstützung der Gemeinde, des Landessportverbandes und der "Friedrich Bluhme und Eise Jebsen Stiftung" ein Kraftraum eingerichtet und im November an die Abteilungen übergeben werden.

Am 27. Januar 1984 wurde Christiane Schlichting wieder zur Kassenwartin gewählt. Marlies Riechen stellte sich nicht wieder zur Verfügung.

Vom 19. bis 26. August 1984 wurde anläßlich des 90jährigen Gründungstages des ATSV Stockelsdorf in allen Sportstätten in Stockelsdorf eine Sportwoche durchgeführt. Höhepunkt aller Festlichkeiten anläßlich dieses Jubiläums war der 28. August 1984, als sich die Sportler aller Abteilungen in einem Sternmarsch auf dem Sportplatz Herrengarten trafen.

Am 3. November 1984 wurde der Geburtstag, der eigentlich der 5. November ist, bei einem Festakt im Gemeindezentrum in der Ahrensböker Straße gefeiert. Nachdem die Sporthalle Herrengarten 1984 kurzzeitig wegen Baumängeln durch die Gemeinde gesperrt und der ersatzlose Abbruch erwogen worden war, konnte nach langwierigen Verhandlungen und mit Unterstützung von politischen Mandatsträgem eine Entscheidung zugunsten einer Renovierung der Halle erreicht werden.

Am 1. März 1985 wurde die Halle wegen der Renovierungsarbeiten gesperrt und am 19. November in einer Feierstunde im neuen Outfit von der Gemeindeverwaltung zur Nutzung freigegeben. Gleichzeitig konnte ein neuer Clubraum und ein Geschäftszimmer im Trakt der Sporthalle durch den ATSV in Betrieb genommen werden. Der ATSV hatte wieder eine Heimstätte erhalten.

Zuvor hatte das Vereinsschiff im Februar 1985 aber starke Schlagseite bekommen. Der damalige Trainer der l. Fußballmannschaft der Herren wurde zum 28. Februar durch den Vorstand gekündigt. Daraufhin stellten die Spieler der Mannschaft - bis auf wenige Ausnahmen - den Spielbetrieb ein. Mit Akteuren aus unteren Mannschaften wurde eine "Notelf' geformt, die die restlichen Spiele der Saison absolvierte.

Auswirkungen der Kündigung waren dann, daß die Schriftführerin Irmtraud Kließ und der Beisitzer im Vorstand Ingo Kließ ihre Ämter niederlegten und aus dem Verein austraten. Die Kassenwartin Christiane Schlichting legte ebenfalls ihr Amt nieder.

Am 10. Oktober 1985 wurden in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Carola Wagner zur Kassenwartin, Nora Schule und Heinrich Voß zu Beisitzern im Vereinsvorstand gewählt. Am 7. März 1986 stellte sich Carola Wagner auf der Generalversammlung nicht wieder zur Wahl, woraufhin Lothar Witt zum Kassenwart gewählt wurde.

Beginnend im Sommer 1986 bauten Marlies und Peter Durlach einen neuen Spielmannszug im ATSV auf. Am 1. Oktober wurde im Herrengarten für die Sportplätze, die Halle und die Tennisplätze von der Gemeinde ein neuer Platzwart eingestellt. Der ATSV beteiligte sich finanziell an den Personalkosten.

Am 1. Mai 1987 trat der Spielmannszug des ATSV erstmals öffentlich auf und erhielt von den Zuhörern viel Applaus und Anerkennung.

Am 24. Mai 1987 fand das erste Ausscheidungsspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft der Damen in Stockelsdorf gegen den TSV Siegen statt. In diesem Heimspiel wurde dem späteren Deutschen Meister ein beachtliches Unentschieden abgerungen. Am 13. Juni 1987 richtete der ATSV erstmals die Norddeutschen Meisterschaften im Jiu-Jitsu aus.

Im Oktober 1987 wurde die Gruppe Aikido im ATSV Stockelsdorf durch die Vereinsmitglieder Klaus und Martin Krüger aufgebaut.

Im Jahre 1988 wurde im Verwaltungsbereich des Vereins einiges verändert. Lothar Witt stellte die Mitgliederkartei auf Datenverarbeitung um. Am 20. August 1988 weilte der damalige Deutsche Handball-Vize-Meister TuRu Düsseldorf anläßlich des 10-jährigen Bestehens der Großsporthalle zu einem Gastspiel in Stockelsdorf.

Im Februar 1989 mußten die 1. und 2. Damen-Fußballmannschaft zurückgezogen werden, da beide Mannschaften nicht mehr spielfähig waren. Nach Ablauf der Saison 1988/89 löste sich dann auch die Mädchenmannschaft auf, so daß es momentan im ATSV keine Damen-Fußballmanschaft mehr gibt.

Unser neues Vereinheim
und die Zukunft

Am 21. April 1990 wurde das renovierte und erweiterte Clubhaus der Tennisanlage eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Mit erheblichen Spenden aus den Reihen der Tennisabteilung, Zuschüssen des Landes, des Kreises und der Gemeinde sowie aus Vereinsmitteln konnte die Baumaßnahme, die im Herbst 1989 begonnen worden war, rechtzeitig zur Sommerspielzeit fertiggestellt werden.

Ab März 1991 wurde Marlies Durlach, die inzwischen die Finanzbuchhaltung auf EDV umgestellt hatte, in der Geschäftsstelle des ATSV stundenweise beschäftigt, da der Arbeitsaufwand nebenbei nicht mehr zu bewältigen war. Am 6. März 1992 stellte sich Lothar Witt nicht wieder als Kassenwart zur Wahl, und Marlies Durlach wurde durch die Generalversammlung mit der Führung der Kassengeschäfte betraut.

Seit dem 1. Juli 1993 wird die Geschäftsstelle des ATSV durch Marlies Durlach als Vollzeitkraft besetzt. Am 15 Juli 1993 beendeten Olga und Hans Gnauck aus Altersgründen ihre Tätigkeit als "Wirtsleute" im Clubraum des ATSV Stockelsdorf. Sie hatten diesen Clubraum über 16 Jahre zum Wohle und zur Zufriedenheit der Gäste und der Vereinsleitung geführt.

Der aufgezeichnete Verlauf der Vereinsgeschichte des ATSV Stockelsdorf wird dem Leser hoffentlich einen ausreichenden Einblick in den Zeitablauf unseres Vereins vermittelt haben. Bei der gebotenen Raffung des Zeitgeschehens konnten naturgemäß nicht alle Daten und Episoden wiedererzählt werden.

Als kurzes Fazit über 100 Jahre Sport im ATSV Stockelsdorf läßt sich sagen, daß der Sport zu jeder Zeit überwiegend Spaß und Freude bereitet hat. Wenngleich sich auch Enttäuschungen nicht immer vermeiden ließen, so haben sich doch stets wieder Idealisten gefunden, die die Sportidee aufgriffen und sie zum Wohle vieler weitergetragen haben. Der Sport erlangt in der immer schnellebigeren Zeit eine stete Weiterentwicklung. Getragen - wie in den Anfängen der Sportbewegung - durch den Idealismus, stehen Tag für Tag Sportfreunde bereit, die durch ihr Engagement die Ausübung des Sports ermöglichen. Insbesondere ist hier die Betreuung der vielen Jugendlichen hervorzuheben, die durch den Sport einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung zugeführt werden. Der Sport trifft Vorsorge für eine gesunde Entwicklung von Leib und Seele.

Der ATSV ist im wesentlichen auf die Ausübung des Breitensports ausgerichtet. Trotzdem haben sich in allen Sportarten immer besonders talentierte Sportler hervorgetan, die es dann zum Kreis-, Bezirks- oder gar Landesmeister brachten. Ebenso gab es für Mannschaftsspieler Berufungen in Landes- bzw. Bundesauswahlmannschaften.

Die Arbeiten in einem Sportverein sind sehr vielschichtig. Sie beginnen mit einem geordneten Übungsbetrieb, gehen über in die allgemeine Verwaltung und finden ihren Höhepunkt im Wettkampf. Für alle diese Aufgaben werden immer und überall Mitarbeiter benötigt, die sich uneigennützig in den Dienst der Sache stellen.

Wir hoffen, auch Ihre Interessen wecken zu können, indem wir alles Erdenkliche tun, um ordentliche Sportstätten, verständnisvolle Betreuer, qualifizierte Übungsleiter, ausreichende Turn- und Sportgeräte und geordnete Vereinsverhältnisse anbieten zu können.

Um dies zu ermöglichen, werden uns viele Hilfen durch unsere Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer sowie durch die Gemeinde Stockelsdorf entgegengebracht. Ebenso hat uns bei der Bewältigung unserer Aufgaben die Geschäftswelt Stockelsdorfs stets gern geholfen. Allen gilt deshalb an dieser Stelle unser besonderer Dank.

Armin Albrecht

(erschienen anlässlich des hundertjährigen Jubiläums 1994)